AUSGEWÄHLTE GIPFELBLICKE
                    © Erich Arndt
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      Ausgewählte Gipfelblicke    MATTERHORN
3.478 m
Geografie: Das   Matterhorn    steht   in   den   Walliser   Alpen    zwischen   Zermatt   und   Breuil- Cervinia.   Die   Nord-   und   Westwand   liegen   auf   schweizerischem,   die   Südwand auf italienischem Staatsgebiet.        Unsere Aufstiegsroute: Von   Zermatt   aus   geht   es   mit   der   Gondel   hinauf   zum   Schwarzsee.   Es   schließt sich   eine   Bergwanderung   bis   zur   Hörnlihütte   an.   Meine   Aufstiegsroute   mit einem Bergführer führte über den Hörnligrat zum Gipfel. Unsere Abstiegsroute: Wie Aufstiegsroute. Anstrengung: Lange     anspruchsvolle     alpine     Bergtour     (T5     –    T6).     Die     Route     hat     die Schwierigkeit   WS+,   Fels   III   bis   II;   auf   dem   Dach   Eis   oder   Firn.   Steile   Grate und   Felspassagen   sind   zu   überwinden.   Besondere   Anforderungen   hinsichtlich der Sicherung sind beim Abstieg erforderlich. Ausrüstung: Komplette Hochgebirgsausrüstung. Gefahren: Alle    alpinen    Gefahren    im    Hochgebirge.    Die    Bilanz    von    bisher    etwa    500 Bergtoten am Matterhorn spricht eine deutliche Sprache. Bemerkungen: Das    Matterhorn    zählt    zu    den    höchsten    Berge    der    Alpen.    Wegen    seiner markanten   Gestalt   und   seiner   Besteigungsgeschichte   ist   das   Matterhorn   einer der   bekanntesten   Berge   der   Welt.   Für   die   Schweiz   ist   es   ein   Wahrzeichen   eine der meistfotografierten Touristenattraktionen.
Letzte Aktualisierung: 03.03.2018
Die   Nachtstunden   in   der   Hörnlihütte   bringen   nicht   die   ersehnte   Ruhe. Denn    wo    Schläfer    sind,    da    sind    auch    Schnarcher,    die    Plage    der Menschheit.     Gegen     3:30     Uhr     stehe     ich     auf     und     lege     meine Kletterutensilien     an.     4:00     Uhr:     Frühstück     auf     der     Hörnlihütte. Bekanntes,   morgendliches   Hüttenchaos!   Knapp   30   Menschen   wollen an diesem 21. August 2013 auf das Matterhorn! Michael,   mein   36-jähriger   Bergführer   aus   Slowenien,   ist   die   Ruhe   in Person.   Er   lässt   sich   von   der   Hektik   nicht   anstecken.   Kein   Wettrennen zum   Einstieg.   Genau   um   4:30   Uhr   treten   Michael   und   Erich   vor   die Tür.   Ich   kann   es   kaum   glauben:   Es   geht   los.   Noch   ist   tiefschwarze Nacht,   der   Sternenhimmel   leuchtet   tief   in   mein   Inneres.   Nach   zehn Minuten   der   sogenannte   Einstieg “   –   eine   mehrere   Meter   hohe   fast senkrechte   Wand   und   das   erste   Fixseil.   Vor   uns   klettern   etwa   sechs Bergsteiger   die   Felswand   hinauf.   Das   ist   der   einzige   richtige   Stau,   wie sich später herausstellen wird. Die   nächsten   Stellen   sind   nicht   leichter.   Klettern,   klettern,   klettern   ... Michael   hat   das   richtige   Tempo   gewählt   –   ich   komme   gut   mit.   Welch seltsames   Steigen   in   der   Nacht,   über   sich   nur   Dunkelheit,   unter   sich schwarzes   Nichts!   Doch   bald   schleicht   sich   Grau   ins   Dunkel   ein,   die Wand   vor   uns   bekommt   Konturen,   immer   tiefer,   aber   vor   allem   höher werden    sie.    Beim    Steigen    ist    der    Gesichtskreis    eingeengt,    nur    auf Hände   und   Füße   beschränkt.   Die   Kletterei   nimmt   mich   vollständig   in Anspruch.   Nach   etwa   einer   Stunde   wird   es   heller.   Im   Osten   erwacht der   neue   Tag,   und   auch   bei   uns   bekommt   die   Umgebung   allmählich Farbe   und   Gestalt.   Langsam   steigt   die   Sonne   über   dem   Monte-Rosa- Massiv   empor.   Unter   meinem   Steinschlaghelm   staut   sich   der   Schweiß, läuft   trotz   Kälte   ins   Gesicht.   Keine   Hand   ist   frei.   Ich   kämpfe   mit   mir, zweifele   am   Erfolg,   bin   fast   am   Ende,   will   eine   ganz   kurze   Pause. Aber    es    geht    unaufhaltsam    weiter.    Nach    etwa    zwei    Kletterstunden nähern   wir   uns   der   4000-Meter-Grenze.   Die   Luft   wird   dünner   und   es wird    immer    steiler.    Die    Untere    Moseleyplatte    erhebt    sich    vor    den Kletterern.   Kurz   nach   halb   sieben   ist   die   Solvey-Hütte   in   4.003 m Höhe     erreicht.     Man     konnte     die     Schutzhütte     schon     aus     einiger Entfernung    sehen    und    auch    riechen.    Eigentlich    wäre    dort    Halbzeit gewesen   aber   es   geht   noch   die   Obere   Moseleyplatte   hinauf,   um   in frischer    nicht    von    Urin    geschwängerter    Luft    eine    Rast    einzulegen. Wenn   die   Bergführer   spüren,   dass   ihr   Gast   am   Seil   Schwierigkeiten mit   der   Kondition   hat,   kehren   sie   spätestens   hier   an   der   Hütte   um.   Ein weiterer    Auf-    und    der    spätere    Abstieg    wären    nicht    mehr    sicher gewährleistet.   Da   unsere   Aufstiegszeit   bis   zur   Solvey-Hütte   unter   drei Sunden   liegt,   ich   hinsichtlich   der   Kondition   gut   mitkomme,   ist   alles   im Lot.   Jetzt,   in   der   Pause,   sehe   ich   auch   etwas   mehr   von   der   Umgebung. Es   ist   genau   auszumachen,   wer   am   Berg   Führer   und   wer   Gast   ist:   Die Führer gehen aufrecht, die Gäste auf allen Vieren! Nach    der    Rast    werden    die    Steigeisen    angelegt.    Noch    gibt    es    kein durchgängiges   Eis   am   Berg   aber   ich   gewöhne   mich   daran   mit   den Eisen   im   Fels   zu   klettern.   An   einigen   Stellen   rieselt   Kies   über   die Trittkanten,   das   kostet   Nerven.   Plötzlich   gibt   es   Geräusche   von   oben. Grässlich   splittern   Steine   neben   uns   in   die   Tiefe.   Die   meisten   Brocken sind    oberhalb    zerborsten    und    fliegen    abgelenkt    in    die    Ost-    oder Nordwand.    Hier    entscheidet    nur    noch    der    Zufall    über    die   Art    der Heimkehr    –    Michael    und    Erich    sind    an    dieser    Stelle    mitten    im Zermatter    Roulette.    Oberhalb    des    Schultergrats    baumelt    ein    dickes graues    Seil.    Daran    geht‘s    hinauf.    Jetzt    kommt    die    schwierigste Passage:   200   Meter   fast   senkrechte   Wand!   Fixseil   an   Fixseil.   Mehrere
Seilschaften     quälen     sich     vor     uns     die     Wand     empor.     Zeit     zum Durchatmen.   Mir   geht   es   wieder   besser.   Ein   Biss   vom   Powerriegel,   ein Schluck   aus   der   Trinkflasche,   dann   sind   Michael   und   Erich   dran.   Es geht   besser,   als   ich   dachte!   Michael   ist   zufrieden   mit   mir.   Wir   queren die   Schulter,   sie   ist   mit   griffigem   Firnschnee   bedeckt   und   führt   direkt zum    steilsten    Stück,    dem    obersten    Aufschwung.    Gegen    8:30    Uhr erreichen   die   Bergsteiger   das   Gipfeldach.   Die   schneebedeckten   Platten sind   komplett   vereist   und   glatt.   Der   obere   Teil   des   Matterhorns   ist   eine ideale    Sprungschanze:    Von    dort    stürzten    die    Erstbesteiger    Croz, Hadow,   Douglas   und   Hudson   ab.   Nur   Whymper   und   die   Taugwalders, Vater   und   Sohn,   kamen   mit   dem   Schrecken   davon.   Auf   diesen   steilen Platten und am scharfen Grat darf man sich keinen Stolperer erlauben. Trittspuren    geben    den    Steigeisen    etwas    Sicherheit.    Das    Gehen    im steilen   Gelände   liegt   mir,   das   kann   ich.   Michael,   wie   lange   noch? Halbe Stunde .“ Als   es   ganz   langsam   dem   Gipfelaufbau   entgegengeht,   klopft   ordentlich mein   Herz.   Plötzlich   sehe   ich   die   Statue   des   Heiligen   Bernard.   Er   ist der   Schutzpatron   der   Bergsteiger.   Ich   wusste,   dass   es   von   dieser   Statue nur   noch   wenige   Meter   bis   zum   Gipfel   sind.   Die   letzten   Schritte   gehe ich    wie    im    Traum.    Jeder    Schritt    nach    oben    ist    jetzt    eine    neue Offenbarung.    Und    dann    plötzlich    liegt    der    Gipfelgrad    vor    mir. Geschafft!   Um   9.05   Uhr,   nach   viereinhalb   Stunden   Aufstieg,   stehen der   Bergführer   und   sein   Gast   auf   dem   Gipfel   und   fallen   sich   in   die Arme.    Erich    und    Michael    sind    am    Ziel    –    an    diesem    Schnittpunkt himmelstürmender   Linien.   Auf   dem   Gipfelgrat   gibt   es   Tiefblicke   zu beiden   Seiten   und   weit   hinaus.   Jetzt   kann   ich   bestätigen,   dass   der   Grat wie    eine    stumpfe    Rasierklinge    ist,    auf    dem    sich    alle,    außer    die Bergführer,   gebückt   und   tastend   fortbewegen.   Im   Süden   fällt   man   nach Italien,    im    Norden    in    die    Schweiz    und    das    über    2.500 m    tief.    In Sichtweite   steht   das   italienische   Gipfelkreuz.   Diesen   Moment   vergesse ich   nicht,   er   gibt   meinem   Bergsteigerleben   die   Weihe!   Ein   seltenes Glücksgefühl   durchströmt   den   Körper.   Ich   schlage   Michael   auf   die Schulter.   Ein   Pfundskerl,   dieser   Bergführer!   Riesenfreude,   Emotionen und feuchte Augen. Wir    haben    viel    Glück    gehabt,    einen    ungewöhnlich    ruhigen    und heiteren   Tag   erwischt.   Die   Luft   ist   still   und   von   allen   Dünsten   frei. Berge,   die   zehn   oder   zwanzig   Kilometer   entfernt   liegen,   zeichnen   sich mit   scharfen   Umrissen   ab   und   erscheinen   nah.   Alle   ihre   Einzelzüge, ihre   Grate   und   Klippen,   ihre   Schneefelder   und   Gletscher,   lassen   sich genau   erkennen.   3.000   Meter   unter   uns   liegen   die   grünen   Wiesen   von Zermatt    mit    ihren    Sennhütten    und    die    Häuser    des    Ortes.   Auf    der anderen    Seite    zeigen    sich    die    Weiden    von    Breuil-Cervinia,    Seen, Felder, Hochflächen. In   einer   kleinen   Felsnische,   etwas   unterhalb   des   Gipfelgrates,   wird pausiert,   gegessen,   getrunken   und   der   kurze   Moment   auf   der   Sphinx der     Alpen     genossen.     Mit     großer     Konzentration     beginnt     der kräftezehrende   Abstieg.   An    den    steilsten    und    gefährlichsten    Stellen seilt   mich   Michael   ab.   Das   spart   Kraft   und   Zeit.   Nach   vier   Stunden,   um 13:00   Uhr,   ist   die   Hörnlihütte   erreicht.   Michael   sei   gedankt,   denn   ohne ihn   hätte   ich   es   nicht   geschafft.   Die   erste   Erfrischung   kommt   aus   einer Büchse    Bier.    Meine    Tour    ist    noch    nicht    beendet,    denn    weitere eineinhalb    Stunden    müssen    mich    meine    Füße    zur    Seilbahnstation Schwarzsee   tragen.   Mit   der   Gondel   geht   es   dann   in   die   High‐Society- Metropole   Zermatt   zurück.   Brigitte   hat   mich   schon   an   der   Endstation erwartet.
Im Reisetagebuch geblättert (Mittwoch, 21.08.2013)                                                                                                              Über den Hörnligrat zum Gipfel des Matterhorns
Blick von Zermatt auf das Matterhorn Am Ziel meines "Traumberges" Auf dem Weg vom Schwarzsee zur Hörnlihütte Am Hirli Die Hörnlihütte wird versorgt Das Monterosa-Massiv im Abendlicht Der Hörnligrat von der Hütte aus gesehen Gutes Bergsteigerwetter ist zu erwarten Meine Aufstiegslinie über den Hörnligrat Die Einstiegsstelle Die Hörnlihütte ist kaum noch zu sehen Die Solvey-Nothütte auf 4.003 m ist erreicht Blick von der Solvey-Hütte zum Gipfel Die erste Rast legen wir oberhalb der Moseleyplatten ein Blick hinab zur Hörnlihütte Am Ziel, der schmale Gipfelgrat des Matterhorns ist erreicht Erich hat seinen "Traumberg" erklommen Der italienische Gipfel liegt nur wenige Meter entfernt Gipfelblicke vom Matterhorn Im Tal ist Zermatt zu sehen Blick zum Monterosa-Massiv mit der Dufourspitze Ein Fotomotiv: Sonnenuntergang am Matterhorn
1. Etappe
2. Etappe
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